Ultraleichte Bikepacking Ausrüstung - Update 2023

Das Jahr 2023 hat einige überraschende Neuerungen in den "Big Three" meiner Bikepacking Ausrüstung gebracht:

  • Zelt: Konkurrenz für die Platzhirsche!
  • Schlafsäcke - überholte Lösung von gestern?
  • Isomatte: "Schöner liegen?!"

 

Lies gerne meine Erfahrungen aus den diesjährigen Bikepackingtouren in Schottland, Island, Ardennen, Niederlande und Deutschland, cirka 30 Übernachtungen im Zelt bei Sonne, Hitze, Wind & Dauerregen.

"Big Three": Ultraleichtes Zelt, Schlafsack, Isomatte

Die Optimierung meiner Bikepacking Ausrüstung ist für mich ein Dauerthema. In 2023 habe ich einige Alternativen der "Big Three" - Zelt - Isomatte - Schlafsack - auf meinen Bikepacking Touren ausgetestet und am Ende tatsächlich meine Campingausrüstung aus 2021/22 weitestgehend ausgetauscht. Dabei sind Gewicht und Packmaß meiner Ausrüstung  bereits sehr optimiert. Die Frage, die mich umtreibt ist:

Ist bei annähernd gleichem Gewicht & Packmaß ein Mehr an Komfort & Funktionalität möglich?"

 

Meine Ausrüstung aus 2021/22

In den Jahren 21/22 war ich mit einem sehr günstigen Zelt des chinesischen Anbieters Naturehike, dem Cloud Up 2* (20D), zwei Schlafsäcken von Sea to Summit 0* und Sea to Summit 2* und der Thermarest Isomatte Neo Air xLite* in RW (R -> regulare Länge mit 183 cm und W -> 64 cm breite Version) und der Nemo Tensor Insulated RW* in Norwegen, Niederlande, Deutschland unterwegs.

 

 

Das Video aus 2022 dazu:


An den hochwertigen Isomatten und Schlafsäcken gab es erwartungsgemäß nichts zu beanstanden. Einen überraschend guten Job hat das Low Budget Zelt (cirka 170€) gemacht. Es hat alle Anforderungen bestens überstanden: Schüttregen, kräftigen Wind (Sturm hatte ich nicht), x-mal auf- und abbauen. 

 

Dieses Camping Setup inlusive der Küche (siehe HIER) wiegt in der sommerlichen Variante  cirka 2,5 Kilogramm, in der Winterausführung cirka 4 kg. Für die üblichen Touren liege ich irgendwo dazwischen.

Alles mehr als akzeptabel. Dennoch: "Das Bessere ist der Feind des Guten". Potential zum Verbessern gibt es immer, wie meine Erfahrungen in 2023 zeigen ...

"The winner ´23 is ... "

Im Video erläutere ich, welche Veränderungen ich 2023 in den "Big Three" meiner Campingausrüstung vorgenommen habe. Alle vorgestellten Ausrüstungsteile habe ich selbst gekauft und während meiner  vielen Touren (Schottland, Island, Ardennen, Niederlande, Deutschland ) getestet.

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1. Ultraleichtes Zelt

Auf den Campingplätzen dieser Welt sieht man eine ganze Reihe ultraleichter 3-Jahres Zelte, die in mein Beuteschema passen:

  • freistehendes Kuppelzelt
  • (1 bis) 2 Personen
  • Gewicht um die 1,5 kg +- 200 Gramm
  • Innenzelt mit viel Mesh -> "Moskitozelt"
  • 1 bis 2 Absiden
  • Wassersäule in Außenzelt 1200 bis 1500 mm und im Boden 1200 bis 3000 mm,
  • Nylon D10 bis D20 fürs Fly und einige mit D30 im Boden, von innen PU beschichtet, getapte Nähte, zum Teil außen silikonbeschichtet
  • Man bewegt sich im Preissegment um die 500€ +- 100€

 

"Ultraleicht" bedeutet auch, dass selbst wenn man alle  Möglichkeiten von eingesetzten Materialien und baulichen Strukturen/Statik ausreizt, die Stabilität und Robustheit begrenzt sind. Ultraleichte Zelte sind keine Expeditionszelte. Um das geringe Gewichg zu erreichen müssen die Stoffe und Gestänge dünn sein und auf komfortable Gimmicks verzichtet werden. Viele sind eher spartanisch ausgestattet.

 

Das Angebot in diesem Segment ist unüberschaubar groß. Die üblich Verdächtigen neben dem Big Agnes Copper Spur und dem MSR Hubba sind: Big Agnes Tiger Wall, Nemo Dagger/Hornet/Dragonfly, Sea to Summit Telos/Alto, Vaude, Exped, ...uva.

 

Mein Vergleichstest Ende letzten Jahres zwischen dem Naturhike Cloud Up2 als Low Budget Zelt und zwei der meistverkauften Markenzelte (Big Agnes Copper Spur 2 HV Bikepacking*, MSR Hubba Hubba NX 2) zeigte, dass Markenzelte bei vergleichbarem Gewicht und Packmaß merklich größer sind: durch eine Traverse werden steile Wände im Inneraum aufgespannt und im Aussenbereich bieten zwei Absiden viel Raum für Gepäck und zum Kochen. Bei längeren Touren und schlechtem Wetter lernt man den großzügigen Raum zu schätzen.

 

Ich hatte mich nach dem Test für das Big Agnes Copper Spur 2 Bikepacking entschieden. Das MSR wirkt robuster, aber ausschlaggebend waren aber das Packmaß und vor allem die kurzen Zeltstangen des Big Agnes. Und ... ein spontanes Schnäppchenangebot bei ebay Kleinanzeigen.

 

Das Big Agnes Copper Spur begeistert!

Das Big Agnes erfüllt alles, was ich von ihm erwartet habe: Gewicht und Packmaß stimmen, die Größe ist für mich allein mehr als genug, zwei Absiden sind schon Luxus, kräftigen Gewitternschauern mit frischem Wind hat es mehrfach problemlos standgehalten. Es zeigt eine sehr gute Belüftung, trotzdem bietet das Innenzelt durch die hochgezogene Bodenplane Schutz vor Zugluft. weiterhin hat es viele durchdachte, sicher eher nachrangige Features, wie viele Staufächer, farbliche Codierung der Stangen, Befestigungsmöglichkeiten zum Wäschetrocknen am Fly mit Footprint ist ein Aufbau "Fly first" möglich, schöne Aussicht...

 

Ein tolles Zelt für einfache bis mittlere Wetterbedingungen!

 

 

Dennoch habe ich wie immer auch hier kleinere Modifikationen vorgenommen: 

 

Fast alle Hersteller liefern zu wenige Heringe und Abspannleinen. Ein Ärgernis, genau wie die Angabe wieviele Personen im Zelt Platz finden sollen.

 

Heringe und Abspannleinen sind auch beim Big Agnes zu ergänzen. Das Einrollen der Eingangstüren ist fummelig - da habe ich Gummiringe (Haarbänder) ergänzt, die das erleichtern. Da ich das Zelt nicht an den Lenker klemme, habe ich den Sack ausgetauscht gegen den leichteren Sea to Summit UltraSIL Dry Pack*.

 

Weiterhin schneidere ich mir die Footprints aus Tyvek selbst - mit einer simplen, aber wirkungsvollen Verbesserung! Zum Nachbasteln - schaue gerne das Video.

 

Tipp Footprints

 

Die mitgelieferten Footprints sind in der Regel recht schwer und nicht "zu Ende gedacht! Ich bastele aus leichtem Tyvek (papierartiges Gewebe 43 Gramm/m2) mit Ösen an den Ecken eigene Zeltunterlagen und einer entscheidenen Optimierung.

 


BA Copper Spur - ein perfektes Zelt? Warum dann zwei weitere Zelte?

Eigentlich war es mehr oder weniger Zufall. Beim Stöbern in irgendwelchen Foren bin ich auf das Slingfin Portal 2* aufmerksam geworden. Es wurde als extrem windstabil beschrieben, etwas, was ich vom Big Agnes nicht behaupten würde. Da ich in der windreichsten Ecke Deutschlands wohne, und auch oft hier in der Umgebung mit Zelt & Co unterwegs bin, fand es sofort mein Interesse. Außerdem stand meine Island Divide an. Dort sind stürmische Winde im völlig offenen, schutzlosen Springisandur legendär - ich hatte Respekt davor! Zurecht, wie sich heraustellen sollte.

Slingfin Portal 2 vs. Big Agnes Copper Spur 2

Äußerlich sind das Slingfin Portal 2* und das Big Agnes Copper Spur 2* Bikepacking eineiige Zwillinge. Merkmale, in denen sie sich nur geringfügig unterscheiden sind:

Mit meinen 172 cm komme ich mit den Innenmaßen immer gut hin. Für grosse Nutzer kann ein paar Zentimeter mehr entscheidend sein. Ein für mich nutzbarer Vorteil wäre das geringere Packmaß des Slingfin Portal 2*, das man in der Realität aber nur erreicht, wenn man das Paket komprimiert, was mit dem mitgelieferten Sack nicht geht. So ist der Unterschied eher gering.

Schaut man genauer hin, werden die Unterschiede deutlich:

"Will Haben"

Zwei entscheidene Highlights machen für mich das Slingfin zum "will haben" :

1. Windstabilität

Die hohe Windstabilität des Slingfin ist durch drei Merkmale erklärbar:

  • Die Anzahl der Abspannpunkte am Außenzelt. An den langen Seiten entlang des Gestänges sind jeweils zwei (statt einem wie beim Big Agnes) Abspannpunkte. Die Traverse kann zusätzlich abgespannt werden. 10 : 6 für das Portal 2!
    (Für Hiker, die mit Stöcken laufen, können die Stöcke sogar zur weiteren Stabilisierung  der Traverse genutzt werden.)
  • Im Innenzelt können an den beiden Stirnseiten diagonale Abspannseile gespannt werden. Diese sind mit den Verbindungspunkten von Innenzelt und Fly verbunden, so dass die Kräfte direkt übertragen werden. Eine simple, aber wirkungsvolle Innovation!
  • Alternativ zum Standardgestänge mit 8,3 mm gibt es eine verstärkte Variante mit 10,65 mm.

2. Material des Fly - beidseitig silikoniertes Ripstop Nylon

Die Zelte der Klasse um das Big Agnes Copper Spur sind in der Regel innen PU-beschichtet. Das bietet die Möglichkeit, dass die Nähte getapt werden können. Silikonierte Zelte müssen - meist vom Kunden (!) - mit Seam Sil* nachträglich gedichtet werden; Tape hält auf dem silikonierten Material nicht. Eine Sache von einer Stunde. Dicht ist beides.

 

   Die Vorteile beidseitig silikonbeschichteter Zelte sind:

  • Die Silikonierung "umhüllt" jede einzelne Faser des Nylongewebes. Es ist damit deutlich dauerbeständiger gegen Durchdringung des Gewebes von Wasser
  • es ist erheblich UV-beständiger und dadurch langlebiger
  • es erhält die Reissfestigkeit des Materials und steigert die Robustheit des Gewebes signifikant (anders als eine PU-Beschichtung, das die Reissfestigkeit herabsetzt)
  • es ist leichter

  Zelte mit beidseitiger Silikonierung sind daher erheblich robuster und langlebiger, aber in

  der Regel auch teuerer als PU-beschichtete Zelte.

 

Uns sonst?

Ohne Bewertung, Punkt 1: Ein Punkt, der am Slingfin Portal 2 auffällt: Die Bodenplane ist rundum nur cirka 15 bis 20 cm hochgezogen, alles darüber ist Mesh. Damit kann es unter bestimmten Umständen im Zelt zugig werden. Bei kühlerem Wetter eher unschön. Bei heißem Wetter kann dieses Merkmal wiederum ein Vorteil sein. Beim Big Agnes und vielen anderen Wettbewerbern findet man 30 bis 40 cm Folie und erst dann Mesh. Auf Nachfrage hat Slingfin geantwortet, dass man ein Update mit einem Innenzelt mit mehr Folie plant. 

 

Ebenfalls ohne Bewertung, da individuell sehr unerschiedlich empfunden: Es gibt am Slingfin kaum Klettverschlüsse, es wird alles mit Toggels (wie heißen die Dinger auf deutsch?) befestigt. Die Belüftung über sogenannte Kickstands an den Türen kann man mögen, oder auch nicht. Sie funktioniert sehr gut.

 

Wie bei fast allen Zelten, sollte man zum kompletten und sturmfesten Abspannen aller Abspannpunkte noch Heringe und längere Abspannleinen zukaufen. Je länger die Abspannleinen, umso windsichererer ...

 

Fazit:  Mein 3- Season Zelt für 2024?

 

Das Slingfin Portal 2* schöpft die Möglichkeiten der Materialien, die eingesetzt werden, um ein minimales Gewicht zu erreichen, mit innovativen Lösungen sehr weit aus. Es bleibt, das Big Agnes Copper Spur 2 Bikepacking geht, wenn auch schweren Herzens.

 

Die Regen- und Sturmnacht auf Island war schon beeindruckend. Da hat sich das Portal 2 sehr bewährt. Ob es das Copper Spur auch getan hätte? Vielleicht ... aber ich hätte mir mehr Sorgen gemacht.

 

Möchte man ein noch robusteres Zelt für noch härtere Bedingungen, muss man die Klasse der Ultraleichtzelte verlassen und zudem  > 1000€ ausgeben: hält man an den Abmaßen von oben fest, erhält man zum Beispiel bei Premiumhersteller Hilleberg  das Rogen 2; ein sturmfestes Kuppelzelt mit 2,1 Kilogramm, aber 12.000 bzw. 5.000mm Wassersäule, außenliegendes Gestänge, viele Punkte zum Abspannen. Aussen-/Innenzelt sind gekoppelt und in einem Zug aufzubauen - bei Regen toll!. Zwei verschiedene Innenzelte (eines mit viel geschlossener Folie, eines als Mosikitozelt) verfügbar, viel Zubehör. 

 

Nimmt man das Gewicht um 1.7 Kilogramm als Fixum, wird ein Expeditionszelt zwangsläufig kleiner als ein Ultraleichtzelt. Bei Hilleberg wäre das Niak 2 interessant.

 

 

 

Nachtrag: Nach einiger Überlegung und durch ein Schnäppchen am Black Friday bin ich kürzlich zu einem Hilleberg Rogen gekommen. Ende 2024 werde ich meine Erfahrunge damit berichten.

4-Season Zelt - Nordisk Telemark 2.2 LW

Noch ein Zelt? Ja, aber ganz anders: Als Neuzugang verbuche ich 2023 weiterhin mein erstes nicht freistehendes 4-Jahreszeitenzelt, das Nordisk Telemark 2.2 LW*, mit 1250 Gramm (mit vollständigen Heringen, 2 Ersatzheringe, Reparaturhülse und Abspannleinen) und 4 Liter Packmaß ein ultraleichtes, kleines Tunnelzelt. Wie das Slingfin Portal 2 ist es beidseitig silikoniert - mit allen oben beschriebenen Vorteilen!

Dieses nutze ich im späten Herbst oder sogar im Winter für kurze Touren von wenigen Nächten. Für längere Touren wäre mir das Platzangebot zu klein. Als Tunnelzelt ist es in weniger als 5 Minuten aufgebaut. Da Innen- und Außenzelt miteinander verbunden sind, bleibt es auch bei Aufbau bei Regen innen trocken.

Kondenzwasser bei 4-Jahreszeitenzelten
Bei 4-Seasonzelten systembedingt ein Thema: Kondenswasser. Das kann auch beim Telemark unter bestimmten Bedingungen eine Herausforderung werden. Das Zelt hat als 4 Seasonzelt kaum Mesh im Innenzelt. Dadurch ist es merklich wärmer, gleichzeit kann die Feuchtigkeit (aus Luftfeuchte, schwitzen und atmen) kaum entweichen.
Bei dem Model Telemark 2 LW mit einer Tür ist Kondenzbildung ein erhebliches Problem. Wenn dann die Abspannung nicht nachgespannt wird, hängt die klatschnasse Innenwand am Fußende gerne mal auf dem Schlafsack. Das Zelt habe ich zurückgegeben.

Bei der Version Telemark 2.2 LW mit zwei Türen ist eine Querbelüftung möglich, die das Problem deutlich minimiert. Ich lasse den Innen- und Außenzipp oben recht weit geöffnet, den Außenzugang gerne auch komplett offen. Das geht sogar bei Regen, ohne dass es ´reinregnet. Damit wird die Kondenswasserbildung sehr minimiert, aber nicht vollständig verhindert.

 

Bei ungünstigen Bedingungen (kalt, hohe Luftfeuchtigkeit, kein Wind), bildet sich jedaoch auch hier Kondenzwasser im Innenzelt. Wirklich störend ist es aber nur am Fußsack des Schlafsackes/Quilts, der leicht Berührung mit dem Innenzelt hat. Abhilfe schafft eine Regenjacke, die man auf den Fußsack legt. Nicht elegant, aber wirksam.

Fazit zum Nordisk Telemark 2.2. LW

 

Das  Nordisk Telemark 2.2 LW* wird als ultraleichte Variante für regnerische Gebiete und als zusätzliche Option für kürzere Touren bis maximal eine Woche ohne Campingküche bleiben, aber es wird nicht das Big Agnes Copper Spur 2 Bikepacking oder das Slingfin Portal 2 ersetzen. 

 

Ob mir die Größe langfristig reicht oder ich doch noch über den Tausch gegen das Nordisk Halland 2 LW (2 Bögen, 1500 Gramm) nachdenke? Siehe unten.

Nordisk Halland 2

 

Das Nordisk Halland 2 hatte ich mir zur Ansicht kommen lassen und in einer Turnhalle aufgebaut. Ich habe also keine wirkliche Tourerfahrung damit. Wie das Telemark ist das Halland ein ultraleichtes Tunnelzelt (1570 Gramm, nachgewogen), aber mit zwei statt einem Bogen ein Palast im Vergleich zu der kleinen Dackelhütte.

Ich habe es letztendlich wieder zurückgeschickt. Durch die stark abfallende Wand zum Fußende ist das Problem, dass der Schlafsack am Fußende Berührung mit dem Innenzelt hat, eher noch größer als beim Telemark, auch wenn das Zelt ansich um Welten größer ist. Ich hätte vielleicht anders entschieden, wenn ich nicht das Big Agnes Copper Spur und das Slingfin Portal 2 schon hätte.

2. Perfekter Schlafkomfort!?

Seit gefühlten Ewigkeiten nutze ich Schlafsäcke. Was auch sonst? Der Sea to Summit Spark 0 und 2 sind hervorragend. Aber nach Jahren in diversen Schlafsäcken, habe ich sie durch Quilts ersetzt. Als unruhige Bauchschläferin komme ich mit Quilts besser klar.

 

Quilts sind "offene Schlafsäcke". Das heißt sie sind entweder komplett oder bis auf einen Fußsack offen. Über zwei bis drei elastische Züge, die hinter der Isomatte entlang geführt werden, werden sie fixiert, so dass sie weder seitlich abheben, noch hin- und herrutschen können. Sie sind cirka 25% leichter als ein Schlafsack mit vergleichbarer Wärmeleistung, da sie auf der Unterseite offen sind (Daune auf der man liegt, wärmt nur sehr gering bis gar nicht!), über keinen durchgehenden Reissverschluss und keine Kaputze verfügen. Für Ultraleichtbikepacker auch aus Gewichtsgründen ideal!


Quilts punkten also mit folgenden Vorteilen:

  • Einige Quilts sind komplett zu öffnen und damit als Decke nutzbar - was sie sehr flexibel  und für einen großen Temperaturbereich einsetzbar macht.
  • Der Anteil Daune auf dem man liegt und ihn komprimiert, wärmt nur wenig, ist also "ungenutztes Gewicht"
  • Man dreht sich unter dem Quilt, nicht mit dem Schlafsack - das entspricht eher dem Schlafkomfort eines Bettes

Entschieden habe ich mich für zwei Quilts mit unterschiedlichem Wärmegrad:

  • Cumulus 450 Quilt,  (Winterquilt, für mich bis cirka 5 Grad geeignet)
    Füllgewicht 450 Gramm, 850 Cuin, Gesamtgewicht 690 Gramm, komplett zu öffnen, d.h. sehr flexibel auch als Decke nutzbar
  • Thermarest Vesper 45*, (Sommerquilt, für mich bis ca. 15 Grad)
    Füllgewicht 180 Gramm, 900 Cuin, Gesamtgewicht 340 Gramm., geschlossener Fußsack

Wie bereits bei den Schlafsäcken verwende ich eine dicke und eine leichte Variante, die ich bei Bedarf ineinanderstecke. So bin ich von -5 Grad bis über 25 Grad gerüstet. Beide Quilts passen zusammen in einen Sea to Summit Kompressionssack S*.

Quilt statt Schlafsack - (m)ein später Philosopiewechsel

Für die Entscheidung habe ich lange gebraucht. Es wird berichtet, dass Quilts sich leicht seitlich von der Isomatte abheben und der Luftaustausch für Kälte sorgt. Nach einem Test konnte ich das Problem für mich ausschließen. Mit meinen 60 kg bei 172 cm bin ich so schmal gebaut, dass das auch bei unruhiger Schlafweise einfach nicht passiert.

 

 

Für mich war der Wechsel von Schlafsack auf Quilt ein Gamechanger.

 

Tipp 1

 

Da ich ohne ein weiches Kopfkissen nicht schlafen kann, nutze ich den auf der Innenseite superweichen "Pillow Sack" von Themarest. Den stopfe ich abends mit der Daunenjacke aus und habe somit kein Extragramm für diese Bequemlichkeit.

 

Tipp 2

 

Für maximale Flexibität verwende ich mehrere Schlafsäcke bzw. Quilts, die ich bei Bedarf ineinander stecke. Damit bin ich sehr variabel von -5° bis über 25° gerüstet.

 


3. Besser liegen

Aktualisierter Test (September 2023):

 

Nach dem oben im Video gezeigten Vergleichstest kam Thermarest Anfang 2023 mit einer neuen Version der NeoAir xLite NXT* (für  mich in RW, MAX). Hier meine Eindrücke im Vergleich zur alten Version und zur Nemo Tensor Insulated*:

 

Die Thermarest in der neuen NXT Version ist erheblich leiser (keine Chipstüte mehr!) und etwas leichter als die Vorgängerversion. Überraschenderweise ist sie ca. 5 cm LÄNGER als die Nemo. Die glattere Oberfläche der Thermarest empfinde ich sehr angenehm, da ich ich mit der Gesicht darauf schlafe. Die Haptik ist bei der Nemo marginal besser. Die waffelartige Struktur der Nemo fühlt sich fester an, d.h. sie stützt minimal besser als die Thermarest. Der  R-Wert ist 4.5 (Thermarest) zu 4.2 (Nemo).

 

Da ich mich einfach nicht entscheiden kann und gerne eine zweite Isomatte im Schrank habe, bleiben beide Isomatten.

 

 

Wichtig ist für mich eine breite Version in ca. 65 cm. Als Bauchschläferin hängen sonst die Arme auf den Boden. Ob Mummy oder Rechteck ist nicht so entscheidend. Die Länge reicht für mich (172 cm) mit dem Standardmaß von ca. 183 cm.

 

Tipp

 

Abends habe ich überhaupt keine Lust/Luft mehr, die Isomatte noch aufzupusten. Auch nicht mit einem Pumpsack.

 

Als sehr praktischen Helfer setzte ich auf eine elektrische Minipumpe*. Die Pumpe hat gleichzeit ein angenehmes dimmbares Licht, das ich in das Zelt hänge.

 


Zusammenfassung

Um auf Tour möglichst minimalistisch und leicht unterwegs sein zu können, liegt im Schrank eine durchdachte, variable Outdoorausrüstung, die sich für viele unterschiediche Bedingungen konfigurieren läßt. Das muss gar nicht viel sein, sondern nur gut aufeinander abgestimmt.

 

Ich lege sehr viel Wert auf einen hohen Schlafkomfort und ich war wirklich überrascht, was dabei der Wechsel von Schlafsack auf Quilt für mich gebracht hat. Da das sehr individuell ist, muss das jeder für sich finden.

 

 

Bei meinen Optimierungsbemühungen bleiben neben der Funktionalität das Gewicht und Packmaß immer im Fokus. Mit dem jetztigen Kompromiss aus Komfort- und Gewicht komme ich selbst auf meinen mehrwöchigen Touren auf nur 8 bis 10 Kilogramm Ausrüstung, bestehend aus der Campingausstattung, die ich hier gezeigt habe, plus Kocher mit Zubehör, Werkstatt und Kleidung.

 

Zu den 8 kg (für meine Schottlandtour) bis 10 Kilogramm (z.B. für die Island Divide) kommt das Gewicht der vier Taschen (Ortlieb Gravel Packs bzw. Back-Roller Plus und Fork Packs) von rund 2,5 bis 3 Kilogramm. Für Nahrung rechne cirka 500 bis 750 Gramm pro Tag, wenn ich autark unterwegs bin. Wasser kommt extra. Das Maximum an Beladung am Start hatte ich jetzt kürzlich bei der Island Divide mit rund 18 Kilogramm brutto, inklusive 6 Tage autarker Verpflegung.

 

Sollte ich raten, mit welcher Grundausstattung man in das ultraleicht Bikepacking einsteigt, wäre es ein Naturhike (oder ein Decathlon) Zelt, ein Daunenschlafsack oder Quilt mit rund 300 Gramm Füllgewicht bei mindestens 800 Cuin (Sea to Summit Spark 2 oder Cumulus 250), und eine Isomatte, auf der man wirklich bequem liegt.

 

 

Bitte beachte bei all´ meinen Tipps und Empfehlungen: Ich habe alle Produkte selbst gekauft und (leider) nichts von irgendwelchen Sponsoren, Händlern oder Herstellern gestellt bekommen. Mit Produkt* gekennzeichnete Gadgets sind sogenannte Affiliatelinks, dass heißt Du kannst dich direkt über diesen Link informieren und bestellen. Ich erhalte eine (sehr!) kleine Provision, für dich ändert sich nichts!

 

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