Ultraleicht Bikepacking Zelt, Schlafsack, Isomatte

"The Big Three"

Jede Saison bringt neue Erfahrungen für die "Big Three" meiner Bikepacking Ausrüstung. Ich experimentiere gerne und ausgiebig. 

  • Zelte - noch immer Raum für Innovation?
    - Durston X-Dome - die eierlegende Wollmilchsau?
    - "freistehend" wird überbewertet?! Tunnelzelte mit Vorteilen?
  • Schlafsäcke - überholte Lösung von gestern?
  • Was haben Isomatten und Chipstüten gemeinsam?!

Lies gerne meine Erfahrungen aus den Bikepackingtouren rund um die Welt bei Sonne, Hitze, Kälte, Wind & Dauerregen. Manchmal alles an einem Tag.

Großer Zeltvergleich ist in Vorbereitung

Aktuell bereite ich ein umfangreiches Youtube Video vor, in dem ich ALLE Zelt vorstelle, die ich in den letzten Jahren auf meinen Reisen eingesetzt habe:

  • Fjern Fjäder 1 UWL (1-Personenzelt mit 865 Gramm)
  • Naturehike Cloud Up2,
  • Durston x-Dome 1+,
  • Big Agnes Copper Spur 2,
  • Slingfin Portal 2,
  • Hilleberg Niak,
  • Hilleberg Rogen2,
  • Nordisk Telemark 2.2 LW,
  • Halland 2 LW,
  • Oppland 3 LW

 

Zu meinen Erfahrungen aus dem Bikepacking- und Seekajakeinsatz, bringe ich viel an Faktenwissen. Folgene Tabelle gibt einen Vorgeschmack:

Ultraleichte Bikepacking Ausrüstung - das bessere ist der Feind des Guten

Die Optimierung meiner Bikepacking Ausrüstung ist für mich ein Dauerthema. ich habe diverse  Alternativen der "Big Three" - Zelt - Isomatte - Schlafsack - auf meinen Bikepacking Touren ausgetestet und am Ende tatsächlich meine Campingausrüstung aus dem Video von 2021/22 immer wieder ausgetauscht. Dabei sind Gewicht und Packmaß meiner Ausrüstung  bereits sehr optimiert. Die Frage, die mich umtreibt ist:

Ist bei annähernd gleichem oder geringerem Gewicht & Packmaß 

ein Gewinn an Komfort & Funktionalität möglich?"

 

Meine Ausrüstung aus 2021/22

In den Jahren 21/22 war ich mit einem sehr günstigen Zelt des chinesischen Anbieters Naturehike, dem Cloud Up 2* (20D), zwei Schlafsäcken von Sea to Summit 0* und Sea to Summit 2* und der Thermarest Isomatte Neo Air xLite* in RW (R -> regulare Länge mit 183 cm und W -> 64 cm breite Version, alter Version, die knistert wie eine Chipstüte) und der Nemo Tensor Insulated RW* in Norwegen, Niederlande, Deutschland unterwegs.

 

 

Das Video aus 2022 dazu:


An den hochwertigen Isomatten und Schlafsäcken gab es erwartungsgemäß nichts zu beanstanden. Einen überraschend guten Job hat das Low Budget Zelt (cirka 170€) gemacht. Es hat alle Anforderungen bestens überstanden: Schüttregen, kräftigen Wind (Sturm hatte ich nicht), x-mal auf- und abbauen. 

 

Dieses Camping Setup inlusive der Küche (siehe HIER) wiegt in der sommerlichen Variante  cirka 2,5 Kilogramm, in der Winterausführung cirka 4 kg. Für die üblichen Touren liege ich irgendwo dazwischen.

Alles mehr als akzeptabel. Dennoch: "Das Bessere ist der Feind des Guten". Potential zum Verbessern gibt es immer, wie meine Erfahrungen in 2023 zeigen ...

"The winner ´23 is ... "

Im Video erläutere ich, welche Veränderungen ich 2023 in den "Big Three" meiner Campingausrüstung vorgenommen habe. Alle vorgestellten Ausrüstungsteile habe ich selbst gekauft und während meiner  vielen Touren (Schottland, Island, Ardennen, Niederlande, Deutschland ) getestet.

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Ultraleichte 3-Jahreszeiten Zelte

Auf den Campingplätzen dieser Welt sieht man eine ganze Reihe ultraleichter 3-Jahres Zelte, die in das gleiche Beuteschema passen:

  • (semi-) freistehendes Kuppelzelt
  • Aufbau "Inner first"
  • (1 bis) 2 Personen
  • Gewicht um die 1,5 kg +- 200 Gramm
  • Innenzelt mit viel Mesh -> "Moskitozelt"
  • 1 bis 2 Absiden
  • Wassersäule in Außenzelt 1200 bis 1500 mm und im Boden 1200 bis 3000 mm,
  • Nylon D10 bis D20 fürs Fly und einige mit D30 im Boden, von innen PU beschichtet, getapte Nähte, zum Teil außen silikonbeschichtet
  • Man bewegt sich im Preissegment um die 500€ +- 100€

 

"Ultraleicht" bedeutet auch, dass selbst wenn man alle Möglichkeiten von eingesetzten Materialien und baulichen Strukturen/Statik ausreizt, die Stabilität und Robustheit begrenzt sind. Ultraleichte Zelte sind keine Expeditionszelte. Um das geringe Gewicht zu erreichen müssen die Stoffe und Gestänge dünn sein und auf komfortable Gimmicks verzichtet werden. Viele sind eher spartanisch ausgestattet.

 

Das Angebot in diesem Segment ist unüberschaubar groß. Die üblich Verdächtigen neben dem Big Agnes Copper Spur und dem MSR Hubba sind: Big Agnes Tiger Wall, Nemo Dagger/Hornet/Dragonfly, Sea to Summit Telos/Alto, Vaude, Exped, ...uva. Als Low Budget Angeboten sind zum Beispiel Naturehike oder Decathlon mit erstaunlich guten Zelten auf dem Markt. Wenn man ein wenig Übergewicht akzeptiert, eine tolle Option!

 

Mein Vergleichstest Ende letzten Jahres zwischen dem Naturhike Cloud Up2 als Low Budget Zelt und zwei der meistverkauften Markenzelte (Big Agnes Copper Spur 2 HV Bikepacking*, MSR Hubba Hubba NX 2 von 2022) zeigte, dass Markenzelte bei vergleichbarem Gewicht und Packmaß merklich größer sind: durch eine Traverse als zustätzliche Zeltstange im First werden steile Wände im Inneraum aufgespannt und im Aussenbereich bieten zwei Absiden viel Raum für Gepäck und zum Kochen. Bei längeren Touren und schlechtem Wetter lernt man den großzügigen Raum zu schätzen.

 

Ich hatte mich nach dem Test für das Big Agnes Copper Spur 2 Bikepacking entschieden. Das MSR (Baujahr 2022, das aktuelle hat leichtere Materialien!) wirkt robuster, aber ausschlaggebend waren aber das Packmaß und vor allem die kurzen Zeltstangen des Big Agnes. Und ... ein spontanes Schnäppchenangebot bei ebay Kleinanzeigen.

 

Das Big Agnes Copper Spur 2 HV begeistert!

Das Big Agnes erfüllt alles, was ich von ihm erwartet habe: Gewicht und Packmaß stimmen, die Größe ist für mich allein mehr als genug, zwei Absiden sind schon Luxus, kräftigen Gewitternschauern mit frischem Wind hat es mehrfach problemlos standgehalten. Es zeigt eine sehr gute Belüftung, trotzdem bietet das Innenzelt durch die hochgezogene Bodenplane Schutz vor Zugluft. weiterhin hat es viele durchdachte, sicher eher nachrangige Features, wie viele Staufächer, farbliche Codierung der Stangen, Befestigungsmöglichkeiten zum Wäschetrocknen am Fly mit Footprint ist ein Aufbau "Fly first" möglich, schöne Aussicht...

 

Ein tolles Zelt für einfache bis mittlere Wetterbedingungen!

 

 

Dennoch habe ich wie immer auch hier kleinere Modifikationen vorgenommen: 

 

Fast alle Hersteller liefern zu wenige Heringe und Abspannleinen. Ein Ärgernis, genau wie die optimistische Angabe, wieviele Personen im Zelt Platz finden sollen. Das funktioniert oft nur mit schmalen Isomatten und lässt trotzdem kaum Raum mehr für Gepäck im Innenzelt. 

 

Heringe und Abspannleinen sind auch beim Big Agnes zu ergänzen. Das Einrollen der Eingangstüren ist fummelig - da habe ich Gummiringe (Haarbänder) ergänzt, die das erleichtern. Da ich das Zelt nicht an den Lenker klemme, habe ich den Sack ausgetauscht gegen den leichteren Sea to Summit UltraSIL Dry Pack*.

 

Weiterhin schneidere ich mir die Footprints aus Tyvek selbst - mit einer simplen, aber wirkungsvollen Verbesserung! Zum Nachbasteln - schaue gerne das Video.

 

Tipp Footprints

 

Die mitgelieferten Footprints sind in der Regel recht schwer und nicht "zu Ende gedacht! Ich bastele aus leichtem Tyvek (papierartiges Gewebe 43 Gramm/m2) mit Ösen an den Ecken eigene Zeltunterlagen und einer entscheidenen Optimierung.

 


BA Copper Spur - ein perfektes Zelt? Alternativen?

Eigentlich war es mehr oder weniger Zufall. Beim Stöbern in irgendwelchen Foren bin ich auf das Slingfin Portal 2* aufmerksam geworden. Es wurde als extrem windstabil beschrieben, etwas, was ich vom Big Agnes nicht behaupten würde. Da ich in der windreichsten Ecke Deutschlands wohne, und auch oft hier in der Umgebung mit Zelt & Co unterwegs bin, fand es sofort mein Interesse. Außerdem stand meine Island Divide an. Dort sind stürmische Winde im völlig offenen, schutzlosen Springisandur legendär - ich hatte Respekt davor! Zurecht, wie sich heraustellen sollte.

Slingfin Portal 2 vs. Big Agnes Copper Spur 2 vs. Durston X-Dome 1+

Anfang 2025 habe ich Dan Durston zu seinem x-Dome 1+ angeschrieben, das ganz neu auf dem Markt angeboten wurde und mit seinem ungewöhnichem Konzept für allerhand Aufsehen gesorg hat. Mit seinen innovativen Ideen hat es auch mich fasziniert.Bessonders im Vergleich zu meinem  Big Agnes Copper Spur 2*   und dem  Slingfin Portal 2* - beides Zelte, die sich bei  mir sehr bewährt hatten.

 

Laut seines Werbeversprechens soll das Durston für die Klasse der Ultraleichtzelte (< 1 kg!!!) extrem windstabil sein. Dabei ist es komplett freistehend, Innen- und Außenzelt in einem Zug aufzubauen. Nicht wie die beiden anderen "Inner first", was bei Regen ein großer Nachteil ist. Zudem hat das Durston im Boden und im Fly eine höhere Wassersäule. Eine eierlegende Wollmilchsau? Ich habe es in 2025 mehrfach auf Bikepacking Touren dabei gehabt. 

 

Mein Fazit aus 2025: Das Durston X-Dome hat sich für ein ultraleichtes Zelt überraschend gut bewährt. Es hat sogar ein Unwetter mit Katastrophenalarm mit nur sehr geringen Schäden überlebt!

 

Folgende Tabelle zeigt die Fakten:

"Will Haben"

Welches ist nun innerhalb dieser Klasse die bessere Wahl? Auch nach ausgiebigen Tests habe ich keinen eindeutigen Favoriten. Jedes hat seine Stärken und Schwächen. Am Ende kommt es auf den konkreten Einsatzfall an. Meine Big Points:

Gewicht und Packmaß

1 : 0 : 0 für das Durston im Vergleich zu Slingfin und Big Agnes. Mit 1150 Gramm Reisegewicht mit allen Heringen, Leinen und Polyycryo Footprint sind outstanding. Das Packmaß ebenfalls.

Windstabilität 

Ich wohne an der windreichen Nordseeküste und nutze die Zelt auch bei meinen Touren mit dem Seekajak. Hier schlagen das Slingfin und das Durston das Big Agnes: Die hohe Windstabilität von Durston und Slingfin sind erklärbar:

  • Die Anzahl der Abspannpunkte am Außenzelt. An den langen Seiten entlang des Gestänges sind jeweils zwei (statt einem wie beim Big Agnes) Abspannpunkte. Die Firststange kann zusätzlich abgespannt werden. Klarer Sieg Für Slingfin und Durston!
    (Hiker, die mit Stöcken laufen, können die Stöcke sogar zur weiteren Stabilisierung  der Firststange genutzt werden.)
  • Beim Slingfin können im Innenzelt zusätzlich an den beiden Stirnseiten diagonale Abspannseile gespannt werden. Diese sind mit den Verbindungspunkten von Innenzelt und Fly verbunden, so dass die Kräfte direkt übertragen werden. Eine simple, aber wirkungsvolle Innovation! Alternativ zum Standardgestänge mit 8,3 mm gibt es eine verstärkte Variante mit 10,65 mm.

Aufbau bei Wind und bei Regen

Ein Zelt bei Regen und/oder Wind aufzubauen ist spassbefreit. Zelte, die Innen- und Aussenzelt miteinander verbunden haben, sind für diesen Fall eine grosse Erleichterung. Bei "Inner first" läuft das Innenzelt wie eine Badewanne voll, bevor das Fly installiert ist. Da muss man schnell sein.

 

Beim Zusammenbau eines klatschnassen Zeltes, sollte das hoffentlich noch trockene Innenzelt schnell auszuklicken sein und getrennt verstaut werden - so die Theorie. Das löst kein Zelt wirklich gut. Ich packe immer alles zusammen wieder ein und wische beim nächste Aufbau das die Bodenplane trocken. 

 

Bei starkem Wind hilft es sehr, wenn man - wie beim Durston - ein aussenliegendes Gestänge hat und die Klicks von unten nach oben einklickt. Das Zelt "wächst" sozusagen nach und nach in die Höhe. (Ein Konzept, dass auch das Hilleberg Soulo hat)

Silnylon für´s Fly - Slingfin beidseitig / Durston einseitig

Die Zelte der Klasse um das Big Agnes Copper Spur sind in der Regel PU-beschichtet. Das bietet die Möglichkeit, dass die Nähte getapt werden können. Silikonierte Zelte müssen - oft vom Kunden (!) - mit Seam Sil* nachträglich gedichtet werden; Tape hält auf dem silikonierten Material nicht. Eine Sache von einer Stunde. Dicht ist beides.

 

   Die Vorteile silikonbeschichteter Stoffe sind:

  • Die Silikonierung "umhüllt" jede einzelne Faser des Nylongewebes. Es ist damit deutlich dauerbeständiger gegen Durchdringung des Gewebes von Wasser
  • es ist erheblich UV-beständiger und dadurch langlebiger
  • es erhält die Reissfestigkeit des Materials und steigert die Robustheit des Gewebes signifikant (anders als eine PU-Beschichtung, das die Reissfestigkeit herabsetzt)
  • es ist leichter

  

Nachteile:

  • wird Silnylon nass, dehnt es sich und muss nachgespannt werden
  • Flys aus Silnylon trocknen erheblich langsamer als PU-beschichtete Stoffe
  • teuer

Daher ist das Konzept von Durston - Außenseite des Fly silikoniert, Innenseite PU beschichet - eine pragmatische Idee. Das beste aus beiden Welten.

 

Uns sonst?

Ein Punkt, der am Slingfin Portal 2 auffällt: Die Bodenplane ist rundum nur cirka 15 bis 20 cm hochgezogen, alles darüber ist Mesh. Damit kann es unter bestimmten Umständen im Zelt zugig werden. Bei kühlerem Wetter eher unschön. Bei heißem Wetter kann dieses Merkmal wiederum ein Vorteil sein. 

Beim Big Agnes und vielen anderen Wettbewerbern findet man 30 bis 40 cm Folie und erst dann Mesh. Auf Nachfrage hat Slingfin geantwortet, dass man ein Update mit einem Innenzelt mit mehr Folie oder sogar ein "solid Inner", das heißt ein weitestgehend geschlossenes Innenzelt plant. Wann es kommt ist ungewiss.

 

Eine Kleinigkeit, und  ebenfalls ohne Bewertung, da individuell sehr unerschiedlich empfunden: Es gibt am Slingfin und Big Agnes kaum Klettverschlüsse, es wird alles mit Toggels (wie heißen die Dinger auf deutsch?) befestigt. Sie funktioniert sehr gut. Mir gefallen die Magnetverschlüsse des Durston besser. Aber ob das nachhaltig funktioniert? Die Belüftung über sogenannte Kickstands an den Türen (Slingfin) bzw Dach (Big Agnes) kann man mögen, oder auch nicht. 

 

Wie bei fast allen Zelten, sollte man zum kompletten und sturmfesten Abspannen aller Abspannpunkte noch Heringe und längere Abspannleinen zukaufen. Je länger die Abspannleinen, umso windsichererer ...

 

Fazit:  Mein Favorit unter den (ultra-) leichten Kuppelzelten in 2025?

 

Das Slingfin Portal 2* schöpft die Möglichkeiten der Materialien, die eingesetzt werden, um ein minimales Gewicht zu erreichen, mit innovativen Lösungen sehr weit aus. Die Regen- und Sturmnacht auf Island war schon beeindruckend. Da hat sich das Portal 2 sehr bewährt. Mir ist es etwas durch das Mesh bis zur Bodenwanne zu zugig. Ich habe es verkauft. Für robustere Verhältnisse nehme ich in Zukunft das Hilleberg Niak.

 

Ob es das Copper Spur im windigen Island auch getan hätte? Vielleicht ... aber ich hätte mir mehr Sorgen gemacht. Dennoch ist das Copper Spur in seiner Aufgeräumtheit (es "steht" einfach klasse!) mit den vielen durchdachten Gimicks ein mein Lieblingszelt für einfache Bedingungen.

 

Das Durston X-Dome 1+ ist faszinierendes Zelt mit innovativen Merkmalen: Das unschlagbare Gewicht (Reisegewicht, mit allen Heringen und Leinen, Polychryo Footprint liegt bei 1150 Gramm) und der superschnelle Aufbau in einem Zug gelingt auch bei starkem Wind hervorragend. Etwas weniger Getüddel mit herumhängenden Leinen, vielen Nähten und schlaffen Innenzelt - dann wäre es nahezu perfekt!

 

Coming next: Fjern Fjärer 1 ULW

Ein Freund hat mich auf ein unglaubliches Angebot zu diesem Zelt aufmerksam gemacht. Wie bei Rädern gilt auch für Zelte: die optimale Anzahl ist n+1

 

Das Fjern Fjärer beeindruckt mich mit folgenden Daten:

  • 875 Gramm
  • Fly 10D Silnylon mit 3000mm Wassersäule, Boden 15D 5000mm Wassersäule
  • Carbongestänge
  • 12 Punkte zum Abspannen

Hauchdünne Stoffe, aber hohe Wassersäule. Ich bin auf den Praxistest gespannt und werde berichten.

Leicht, aber nicht Ultraleicht - Hilleberg Niak/Rogen 2

Möchte man ein noch robusteres Zelt für härtere Bedingungen, muss man die Klasse der Ultraleichtzelte verlassen. Wie oben geschrieben: Ultraleichtezelte sind keine Expeditionszelte.

 

Hält man an den Abmaßen von oben fest, erhält man zum Beispiel bei Premiumhersteller Hilleberg das Niak (eine Absis) oder das Rogen 2 (2 Absiden);

  • sturmfeste Kuppelzelte mit 1,8kg bzw. 2,1 Kg, viele Punkte zum Abspannen.
  • Wassersäule  Boden 12.000 mm bzw. Fly 5.000 mm!!
  • Gestängetunnel außenliegend, d.h. Aussen-/Innenzelt sind gekoppelt und sind in einem Zug aufzubauen - bei Regen die Rettung!
  • mehrfach silikoniertes Außenzelt
  • Zwei verschiedene Innenzelte (eines mit viel geschlossener Folie, eines als Mosikitozelt) verfügbar

Ausstattungsbereinigt (d.h. mit allen Heringen, Footpint -> Reisegewicht) wiegen sie circa 300 bis 500 Gramm mehr als vergleichbar große Ultraleichtzelte.

Mein Fazit aus 2024/25:

 

Niak und Rogen vermitteln schon beim Aufbau, dass sie in einer anderen Liga spielen. Das dickere Material von Boden und Fly schaffen viel Vertrauen in die Windstabilität und Dichtigkeit.

 

Bei mehrfachen Einsätzen an der Nordseeküste und in Irland bei bis zu 6 Beaufort und Böen bis 8 Bft. (und die kommen hier auch am Boden noch an!) hat das Niak völlig klaglos standgehalten.

 

Niak und Rogen zeigen sehr eindrücklich, wie hier mit intelligentem Einsatz von nur wenig mehr, aber hochwertigen Materialien ein erheblich stabileres Zelt entwickelt wurde.


Hillebergzelte spielen preislich in einer andere Liga als viele der Ultraleichtzelte:  mit > 1.000€ sind sie sehr hochpreisig. Dafür gelten sie als unkaputtbar. In ebay Kleinanzeigen findet man Angebote von 20 Jahre alten Hillebergs. So geht Nachhaltigkeit.

Der Unterschied zwischen dem Niak und dem Rogen 2?

Das Rogen hat eine zusätzliche Firststange/Traverse, die den First zu den beiden Absiden aufspannt. Dadurch gewinnt man steile Seitenwände, mehr Breite und - noch wichtiger - die Absiden haben gewissermassen ein Vordach. 

 

Beim Niak kann die Absis bis zum First und über die gesamt Front geöffnet werden. Damit kann es bei Regen ins Zelt regnen. Andererseits kann man durch die Konstruktion bei schönem Wetter herrlich ´rausschauen und auf der Bodenplane in der Tür aufrecht stehen. Diese Konstruktion ist Fluch und Segen gleichzeitig.

 

Seit ich die Hillebergzelte im Einsatz habe, bin ich etwas verdorben für den Einsatz von Ultraleichtzelten. Es sind "Schönwetterzelte".

Direkter Vergleich Hilleberg Rogen 2 vs. Slingfin Portal 2

Von der Größe her sind das Rogen 2 und das Slingfin direkt vergleichbar (das Niak ist mit nur einer Absis entsprechend kleiner). Zwei Zelte, die besonders durch ihre Windstabilität punkten. Dennoch gibt es einige Unterschiede:

  • das Slingfin ist sehr luftig, da es ab der Bodenplane rundum Mesh hat. Das Hilleberg Rogen hat bis auf die Türen ein solid Inner und ist deutlich weniger zugig und erheblich wärmer.
  • das Hilleberg können Innen- und Außenzelt in einem Zug aufgebaut werden, das Slingfin nur "inner first", es sei denn man verwendet ein Footprint, dann ist auch "Fly first" möglich.
  • die Materialien des Hilleberg mit 5000 mm Wassersäule im Fly und 12.000 mm im Boden vs. 1200 bis 1800 mm beim Slingfin sprechen für sich... 

Beide Zelte sind für eine Person fast zu gross. Mir reicht das Niak in der Regel völlig aus.

"The winner ´24/25 are ... Tunnelzelte!"

Nordisk Telemark 2.2 LW - Halland 2 LW - Oppland 3 LW

In den letzten drei Jahren habe ich Tunnelzelte für mich entdeckt. Als Neuzugang verbuche ich Ende 2023 mein erstes nicht freistehendes 4-Jahreszeitenzelt, das Nordisk Telemark 2.2 LW*, mit 1250 Gramm (Reisegewicht mit vollständigen Heringen, 2 Ersatzheringe, Reparaturhülse und Abspannleinen) und 4 Liter Packmaß ein ultraleichtes, kleines Tunnelzelt. Wie das Slingfin Portal 2 ist es beidseitig silikoniert - mit allen oben beschriebenen Vorteilen!

Der große Vorteil von Tunnelzelten dieser Art: Sie stehen in weniger als 10 Minuten. Da Innen- und Außenzelt miteinander verbunden sind, bleibt es auch bei Aufbau bei Regen innen trocken. Bis sie windsicher stehen müssen allerdings viele Heringe gesetzt werden. Da muss dann wieder etwas Zeit investieren.

 

Der Nachteil, dass sie nicht frei stehen, ist in der Praxis selten ein Problem. In der Regel spanne ich meine Zelte IMMER vollständig ab, egal wie schön das Wetter ist. Zu oft wurde ich nachts von Gewitter und Wind überrascht...

Nordisk Telemark 2.2 LW:

Kondenzbildung - unvermeidbar?!

Bei 4-Seasonzelten bzw. Zelten mit "Solid Inner" (Innenzelt mit wenig/kein Mesh) ist die Kondenzbildung bei kühlem, feuchtem und windstillen Nächten systembedingt ein grosses Thema.
Bei gut druchlüftbaren Kuppelzelten mit viel Mesh ist es weniger ein Problem. Bei Zelten mit Solid Inner (Innenzelt mit durchgängiger Folie) und wenig Möglichkeiten quer zu lüften, kann es massiv ärgerlich werden.
Bauartbedingt sind Tunnelzelt mit Solid Inner mehr betroffen:  Besonders bei dem kleinen Telemark kann es eine Herausforderung werden. Das Zelt hat als 4 Seasonzelt kaum Mesh im Innenzelt. Dadurch ist es merklich wärmer, gleichzeit kann die Feuchtigkeit (aus Luftfeuchte, schwitzen und atmen) kaum entweichen. Bei dem Model Telemark 2 LW mit einer Tür kann Kondenzbildung ein nervendes Problem werden. Mir ist schon das Kondenzwasser am Innenzelt literweise auf die Bodenplane gelaufen. Das Zelt habe ich zurückgegeben.

Bei der Version Telemark 2.2 LW* mit zwei Türen ist eine Querbelüftung möglich, die das Problem deutlich minimiert. Ich lasse den Innen- und Außenzipp oben recht weit geöffnet. Das geht sogar bei Regen, ohne dass es ´reinregnet. Damit wird die Kondenswasserbildung sehr minimiert, aber nicht vollständig verhindert. Wirklich störend ist es am Fußsack des Schlafsackes/Quilts, der leicht Berührung mit dem Innenzelt hat. Abhilfe schafft eine Regenjacke, die man auf den Fußsack legt. Nicht elegant, aber wirksam.

 

Bei den größeren Zelten (Halland 2 LW* und Oppland 3 LW*) reduziert sich das Problem der Kondenwasserbildung deutlich. Bei beiden Zelten kann man sehr gut quer- (richtigerweise längs-) lüften. 

 

Ein großer Vorteil beider Zelte ist für mich die doppelwandige Innentür* aus Mesh und 15D-Folie des Halland und Oppland, die wahlweise komplett oder auch partiell geschlossen werden kann. Bei kalten Temperaturen ein echter Vorteil. In dem Fall lasse ich zur Belüftung nur oben einen Spalt offen, so dass die Kondenzbildung gemindert wird.

 

*) ein Merkmal, das beim möglichen Konkurrenten von Hilleberg nur das Nallo, nicht aber das Anjan bietet.

Erfahrungen / Fazit zu Tunnelzelten

 

Das  Nordisk Telemark 2.2 LW* habe ich mehrfach als ultraleichte Variante für regnerische Gebiete und als zusätzliche Option für kürzere, minimalistische Touren am langen Wochenende eingesetzt. Der Unterschied im Gewicht (1250 Gramm zu 1450 Gramm) und Packmaß zum Nordisk Halland 2 LW* ist jedoch sehr gering, dafür ist das Raumangebot und die Kondenzbildung im Halland erheblich besser.

Nach mehreren Touren im Nordisk Halland 2 LW* (Kirgisistan, Tschechien, Niederlande) bin ich schwer begeistert! Daher ist jetzt tatsächlich als weiteres Zelt in meine Sammlung aufgenommen.

Das Nordisk Halland 2 LW ist vom Raumangebot, Gewicht und Packmaß mit dem Big Agnes Copper Spur vergeichbar. Als Tunnelzelt zwar nicht freistehend, dafür bei Regen in einem Zug superschnell aufgebaut - ein großer Vorteil! Das wenige Mesh im Inneren hält zudem wärmer. Kondenz ist dennoch kein großes Problem, das Zelt läßt sich gut belüften. Nützlich ist die große Absis, in der kann man sich geduckt sogar aus- und umziehen.

 

... und gleichmal die Sammlung komplettiert und im Oktober 2024 noch das Nordisk Oppland 3 LW* erstanden, als Alternative, wenn ich im Zweierteam unterwegs bin. Mit 2 kg und einer Breite des Innenzelte von 1,9 Meter und ein riesigen Vorraum ein absolutes Raumwunder!!

 

Insgesamt sind die Nordisk Zelte wahre Raumwunder bei minimalstem Gewicht. Im Vergleich zu ihren Wettbewerbern bieten sie in der Regel ERHEBLICH mehr Raum.

Quilt - der perfekte Schlafkomfort!?

Seit gefühlten Ewigkeiten nutze ich Schlafsäcke. Was auch sonst? Der Sea to Summit Spark 0 und 2 sind hervorragend. Aber nach Jahren in diversen Schlafsäcken, habe ich sie durch Quilts ersetzt. Als unruhige Bauchschläferin komme ich mit Quilts besser klar.

Quilts sind "offene Schlafsäcke". Das heißt sie sind entweder komplett oder bis auf einen Fußsack offen. Über zwei bis drei elastische Züge, die hinter der Isomatte entlang geführt werden, werden sie fixiert, so dass sie weder seitlich abheben, noch hin- und herrutschen können. Sie sind cirka 25% leichter als ein Schlafsack mit vergleichbarer Wärmeleistung, da sie auf der Unterseite offen sind (Daune auf der man liegt, wärmt nur sehr gering bis gar nicht!), über keinen durchgehenden Reissverschluss und keine Kaputze verfügen.


 

Für Ultraleichtbikepacker auch aus Gewichtsgründen ideal! Denn: man spart die Rückseite des Schlafsacks, die ohnehin kaum zur Wärmeleistung beiträgt. Daune auf der man liegt, wärmt kaum. 

Quilts punkten also mit folgenden Vorteilen:

  • Einige Quilts sind komplett zu öffnen und damit als Decke nutzbar - was sie sehr flexibel  und für einen großen Temperaturbereich einsetzbar macht.
  • Der Anteil Daune auf dem man liegt und ihn komprimiert, wärmt nur wenig, ist also "ungenutztes Gewicht"
  • Man dreht sich unter dem Quilt, nicht mit dem Schlafsack - das entspricht eher dem Schlafkomfort eines Bettes

Entschieden habe ich mich für zwei Quilts mit unterschiedlichem Wärmegrad:

  • Cumulus 450 Quilt,  (Winterquilt, für mich bis cirka 5 Grad geeignet)
    Füllgewicht 450 Gramm, 850 Cuin, Gesamtgewicht 690 Gramm, komplett zu öffnen, d.h. sehr flexibel auch als Decke nutzbar
  • Thermarest Vesper 45*, (Sommerquilt, für mich bis ca. 15 Grad)
    Füllgewicht 180 Gramm, 900 Cuin, Gesamtgewicht 340 Gramm., geschlossener Fußsack

Wie bereits bei den Schlafsäcken verwende ich eine dicke und eine leichte Variante, die ich bei Bedarf ineinanderstecken kann. So bin ich von -5 Grad bis über 25 Grad gerüstet. Beide Quilts passen zusammen in einen Sea to Summit Kompressionssack S*.

Quilt statt Schlafsack - (m)ein später Philosopiewechsel

Für die Entscheidung habe ich lange gebraucht. Es wird berichtet, dass Quilts sich leicht seitlich von der Isomatte abheben und der Luftaustausch für Kälte sorgt. Nach mittlerweile 3 Jahren Einsatz kann ich das Problem für mich ausschließen. Mit meinen 60 kg bei 172 cm bin ich so schmal gebaut, dass das auch bei unruhiger Schlafweise nicht passiert.

 

Dafür liege ich unter dem Quilt, wie unter der Bettdecke zuhause: Drehe ich mich, dreht sich nicht, wie beim Schlafsack, die ganze Wurst mit. Ich habe viel mehr Bewegungsfreiheit. Die Gummizüge, die die Isomatte umschlingen und an denen der Quilt befestigt wird, halten alles an Ort und Stelle.

 

Dafür ist durch die offene Bauweise der Einsatzbereich für verschiedene Temperaturen viel grösser! Ist es kalt, schliesst man den Fusssack und verbindet den Quilt mit der Isomatte. Ist es warm, nutzt man ihn als offene Decke und kann Arme und Bein rausstrecken. 

 

Für mich war der Wechsel von Schlafsack auf Quilt ein Gamechanger.

 

Tipp 1

 

Da ich ohne ein weiches Kopfkissen nicht schlafen kann, nutze ich den auf der Innenseite superweichen "Pillow Sack" von Themarest. Den stopfe ich abends mit der Daunenjacke aus und habe somit kein Extragramm für diese Bequemlichkeit.

 

Tipp 2

 

Für maximale Flexibität verwende ich mehrere Schlafsäcke bzw. Quilts, die ich bei Bedarf ineinander stecke. Damit bin ich sehr variabel von -5° bis über 25° gerüstet.

 


Minimalistischer Daunenliner

 

Eines der Lieblingsstücke in meiner Ausrüstung ist der Daunenliner Sea To Summit Spark 0. Komprimiert ein Hauch von nichts, aber eine Allzweckwaffe: Wird es sehr kalt, kommt er mit in den Quilt, bei weniger Kälte stopft er mein Kopfkissenbezug aus, morgens wickel ich ihn um die Hüfte, und, und , und .... leider ist er nicht mehr lieferbar.

Daune vs. Kunstfaser

Das wird mein nächstes Projekt. Bisher habe ich ausschließlich Daunenschlafsäcke bzw. -quilts genutzt. Das Verhältnis von Wärmeleistung zu Gewicht und Packmaß ist unübertroffen. Gegen Daune spricht die Empfindlichkeit bei Nässe. Ist der Quilt durchnässt, verklumpen die Federn (besonders beim Zusammenpacken) und die Wärmeleistung ist dahin.

 

Meinen Quilt von Cumulus habe ich indiviuell anfertigen lassen: Hydrophobe Daune und der Fusssack mit wasserabweisender Aussenschicht, zusätzliche Befüllung an der Körpermitte. Bisher hat mich auch bei längeren Regenperioden bestens warmgehalten. 

 

Es gab jedoch durchaus Situationen, in denen ich mir Sorgen gemacht habe: Die anspruchsvollste Wettersituation für maximale Kondenzbildung: warme Tage, kalte Nächte, hohe Luftfeuchtigkeit, Windstille. Dann wacht man morgens in einem Zelt auf, in dem das Kondenzwasser an der Innenseite des Aussenzeltes runterläuft - reine Physik, da versagt jedes Lüftungskonzept.

Auf dem Quilt schlägt sich in dem Fall an der Oberfläche ebenfalls in beeindruckender Weise Tau nieder. Klatscht man mit der Hand drauf, fühlt es sich an, als patsche man auf eine Pfütze. Dann kann man nur hoffen, dass es nicht regnet und man den Quilt draussen in Sonne und Wind lüften und trocknen kann. Ihn in dem Zustand in den Kompressionssack zu stecken ist keine gut Option.


Über den Winter 25/26 werde ich daher zum ersten Mal einen Quilt aus Apex 200 von Gramxperts testen. Der erste seiner Art ist bestellt und wird umgehend getestet werden, um Erfahrungen zu sammeln.

 

Ich habe aber bereits Ideen, selbst einen derartigen Quilt zu nähen. Da ich bei starker Kälte vorallen an der Körpermitte friere, überlege ich nur in dem Bereich eine Schicht Apex doppelt einzunähen oder fallweise zuknöpfbar anzubringen. Da ich sehr schlank bin, werde ich ihn 10 cm schmaler nähen, als das Serienprodukt, das bereits in Slim bestellbar ist. 130cm ist mir immer noch zu breit. 

 

Mein MYOG - Winterprojekt für 25/26 ....

Isomatten - das Schlafupgrade

Eine vielleicht überraschende Aussage des OUTDOOR Magazins, entspricht voll und ganz meiner Erfahrung:

 

 

Zur gesamten Wärmeleistung des Schlafsystems trägt die Isomatte stärker bei als der Schlafsack / Quilt!

 

Außer hohen Liegekomfort zu bieten, sollte die Isomatte demnach vorallem nach Wärmeleistung ausgewält werden. Hier hilft der R-Wert. Dieser Wert beschreibt die Wärmedämmleistung der Matte – also, wie gut sie dich vor Kälte vom Boden isoliert. Je höher der R-Wert, desto besser isoliert die Matte.

 

R-Wert:    
1 – 2 sehr gering, Sommer, warme Nächte
2 – 3 mittel, Frühling/Herbst
3 – 5 hoch, Ganzjahresgebrauch, kühle Nächte
> 5   sehr hoch, Winter, Schnee, Frostbedingungen

 


Lärmbelästigung?!


Für Einsteiger klingt das vielleicht absurd: Eine Isomatte sollte leise sein. Wirklich.


Solo im Zelt fällt es kaum auf. Aber teilt man das Zelt, wird mit der falschen Unterlage jede Bewegung zum Konzert: Die Matte knistert wie eine aufgeschnittene Chipstüte, jeder Dreh ist ein Soloauftritt, jede Drehung ein Schlagzeugwirbel. Schlaf? Vergiss es.

Legendär in dieser Disziplin war die Thermarest Xlite NeoAir (Version vor 2023). Wer sie benutzte, konnte garantiert den ganzen Campingplatz am Abend unterhalten – ob man wollte oder nicht.



Meine "Eine für alles" Isomatte, die Thermarest xlite NeoAir NXT* in RW (aktuelle Version (fast) ohne Knistern, 450 Gramm) liegt bei einem R-Wert von 4,5. Im Winter nutze ich die Thermarest xTherm* in R mit 7,5 (540 Gramm).

 

 

 

Test September 2023:

 

Nach dem oben im Video gezeigten Vergleichstest kam Thermarest Anfang 2023 mit einer neuen Version der NeoAir xLite NXT* (für  mich in RW, MAX). Hier meine Eindrücke im Vergleich zur alten Version und zur Nemo Tensor Insulated*:

 

Die Thermarest in der neuen NXT Version ist erheblich leiser (keine Chipstüte mehr!) und etwas leichter als die Vorgängerversion. Überraschenderweise ist sie ca. 5 cm LÄNGER als die Nemo. Die glattere Oberfläche der Thermarest empfinde ich sehr angenehm, da ich ich mit der Gesicht darauf schlafe. Die Haptik ist bei der Nemo marginal besser. Die waffelartige Struktur der Nemo fühlt sich fester an, d.h. sie stützt minimal besser als die Thermarest. Der  R-Wert ist 4.5 (Thermarest) zu 4.2 (Nemo).

 

Im Winter bin ich gelegentlich mit dem Seekajak unterwegs. Dazu habe ich die Thermarest xTherm mit R = 7,1 zugelegt. Hervorragend! Fühlt sich an, wie auf der warmen Fussbodenheizung zu schlafen.

     

Wichtig ist für mich eine breite Version in ca. 65 cm. Als Bauchschläferin hängen sonst die Arme auf den Boden. Ob Mummy oder Rechteck ist nicht so entscheidend. Die Länge reicht für mich (172 cm) mit dem Standardmaß von ca. 183 cm.

 

Tipp

 

Abends habe ich überhaupt keine Lust/Luft mehr, die Isomatte noch aufzupusten. Auch nicht mit einem Pumpsack.

 

Als sehr praktischen Helfer setzte ich auf eine elektrische Minipumpe*. Die Pumpe hat gleichzeit ein angenehmes dimmbares Licht, das ich in das Zelt hänge.

 


Kompakt

Um auf Tour möglichst minimalistisch und leicht unterwegs sein zu können, liegt im Schrank eine durchdachte, variable Outdoorausrüstung, die sich für viele unterschiediche Bedingungen konfigurieren läßt. Das muss gar nicht viel sein, sondern nur gut aufeinander abgestimmt.

 

Das "eins für alles Zelt" hängt vom Budget ab: low Budget: Naturehike Cloud Up2, mittleres Budget: Durston X-Dome 1+, ohne Limit (dafür nahezu lebenslang haltbar) Hilleberg Niak.

 

Ich lege sehr viel Wert auf einen hohen Schlafkomfort und war wirklich sehr überrascht, was dabei der Wechsel von Schlafsack auf Quilt für mich gebracht hat. Da das sehr individuell ist, muss das jeder für sich finden. 

 

Keine Kompromisse mache ich bei der Isomatte. Liegekomfort und Wärmeleitung sind entscheidend für den erholsamen Schlaf.

 

 

Bei meinen Optimierungsbemühungen bleiben neben der Funktionalität das Gewicht und Packmaß immer im Fokus. Mit dem jetztigen Kompromiss aus Komfort- und Gewicht komme ich selbst auf meinen mehrwöchigen Touren auf nur 8 bis 10 Kilogramm Ausrüstung, bestehend aus der Campingausstattung, die ich hier gezeigt habe, plus Kocher mit Zubehör, Werkstatt und Kleidung.

 

Zu den 8 kg (für meine Schottlandtour) bis 10 Kilogramm (z.B. für die Island Divide) kommt das Gewicht der vier Taschen (Ortlieb Gravel Packs bzw. Back-Roller Plus und Fork Packs) von rund 2,5 bis 3 Kilogramm. Für Nahrung rechne cirka 500 bis 750 Gramm pro Tag, wenn ich autark unterwegs bin. Wasser kommt extra. Das Maximum an Beladung am Start hatte ich bei der Island Divide und in Kirgistan mit rund 18 Kilogramm brutto, inklusive 6 Tage autarker Verpflegung.

 

Sollte ich eine Empfehlung abgeben, mit welcher Grundausstattung man in das ultraleicht Bikepacking einsteigt, wäre es ein Naturhike (oder ein Decathlon) Zelt, ein Daunenschlafsack oder Quilt mit rund 300 Gramm Füllgewicht bei mindestens 800 Cuin (Sea to Summit Spark 2 oder Cumulus 350), und eine Isomatte, auf der man wirklich bequem liegt mit R ~ 4. Quilt und Isomatte ohne Kompromisse, das Zelt kann erstmal Low Budget sein. 

 

 


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